Links

Dear Mr. Potter

Wer kennt ihn nicht, den Zauberlehrling Harry Potter, der 1997 auszog, die Welt zu verzaubern und – natürlich! – vor Du-weißt-schon-wem zu retten.

Viele sagen heute, sie seien Fans der ersten Stunde gewesen, hätten auch das erste Buch bereits kurz nach seinem Erscheinen gelesen. Ob das tatsächlich stimmt, weiß ich selbstverständlich nicht. Vielleicht ist es auch einfach nur hip, das im Nachhinein zu behaupten.
Mich traf Harrys Zauber jedenfalls erst zwei Jahre später. Ein Artikel, platziert unten links auf der Zeitungsseite, berichtete vom Siegeszug des Hogwarts-Schülers und ich, die gerade ihren ersten Monat auf dem Gymnasium hinter sich gebracht hatte, beschloss, mir den „Stein der Weisen“ zu meinem 11. Geburtstag im Dezember zu wünschen. Doch dazu kam es nicht. Eine Bekannte las es nämlich während des Fußballtrainings – und ich linste dabei über ihre Schulter. Keine 24 Stunden später besaß ich dann mein eigenes Exemplar und reiste gemeinsam mit Harry, Ron und Hermine zum ersten Mal nach Hogwarts.

2008 schloss ich die Schule ab, nur ein Jahr nachdem ich gemeinsam mit dem Trio das letzte der sieben Abenteuer durchlebt und die „Deathly Hallows“ zugeklappt hatte. Ein Teil meines Leserherzens ist damals jedoch in Hogwarts geblieben. Wiedersehen werde ich es mit Sicherheit nicht. Denn ich bin davon überzeugt, dass ich in diesem Leben keine vergleichbaren Bücher mehr finden werde. Ich bin mit Harry Potter groß geworden; das Trio und ich waren zwischenzeitlich sogar fast gleich alt. Ihre Probleme und Empfindungen waren damals oft auch meine eigenen und ich fühlte mich, so albern das heute auch klingen mag, oft verstanden. Egal, wie verlassen ich mich glaubte – es gab immer Harry Potter. Ich konnte mich, wenn es mir schlecht ging, jederzeit nach Hogwarts stehlen, dort eine Weile bleiben und schließlich zurückkehren, nur um zu merken, dass meist nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird.

Dass ich damit nicht alleine dastehe, zeigt nun ein, wie ich finde, bewundernswertes Online-Projekt namens Dear Mr. Potter: In Form von Briefen (die oft tatsächlich an Mr. Potter adressiert sind), Bildern und Geschichten schildern bzw. zeigen Fans, welchen Einfluss die Bücher auf sie hatten und wozu sie sie inspiriert haben. Manche der Einsendungen sind unglaublich lustig oder nostalgisch, andere stimmen einen eher nachdenklich wie beispielsweise jener Brief, der an die Weasley-Familie adressiert ist.

„Dear Weasley Family,
Thank you for being there when my family wasn’t. On the days when my parents would shout and throw things, I pretended to be one of you. You were always there to give me a laugh or remind me of the importance of family when times got rough. When my father would disappear, doing God knows what, it was you who comforted me. You are my example of a perfect family.“
Kamaria S.

Quelle: www.dearmrpotter.org (offline)

Veröffentlicht werden die Einsendungen im Moment ausschließlich auf dem Blog des Projekts. Im Sommer werden die 600 herausragendsten Geschichten und Bilder außerdem in einem Buch veröffentlicht, dessen Einnahmen zu 100% an die Harry Potter Alliance gespendet, die das Geld dafür verwendet werden will, die Lese- und Schreibfähigkeiten der Jugend zu fördern.

Ich werde das Projekt auf jeden Fall weiterhin beobachten und hoffe, dass auch der ein oder andere Leser (vielleicht auch als Nicht-Harry-Potter-Fan) einen Blick riskiert. Denn obwohl Dear Mr. Potter aussieht wie eine Hymne auf Joanne K. Rowling und ihren berühmten Zauberlehrling, so ist der Blog trotzdem vor allem ein Loblied auf das Lesen und die Literatur und zugleich eine Erinnerung daran, dass manchmal auch Worte Berge versetzen können.
Unten findet ihr einige der, wie ich finde, schönsten Einsendungen. Wer also neugierig geworden ist, kann hier erste Impressionen sammeln.

 

Update 15.02.2017

Der Blog Dear Mr. Potter existiert leider nicht mehr. Das Buch Dear Mr. Potter: Letters of Love, Loss, & Magic erschien im Juni 2011 und ist heute nur noch antiquarisch zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar