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Drei Regale voll nichts zu lesen

Wie viele ungelesene Bücher in meinen Regalen stehen, kann ich im Augenblick gar nicht sagen. Abhängig davon, wie man zählt, wird die Zahl der Bücher, die darauf warten, von mir gelesen zu werden, zwischen 150 und 200 Titeln liegen. Ich persönlich finde ja, dass das nicht so viel ist. Aber den meisten Menschen, denen ich davon erzähle, fallen erst einmal die Augen aus, wenn sie hören, wie viele Bücher ich in meinem kleinen Zimmer angesammelt habe. Dass ich dennoch manchmal nichts zum Lesen habe, können sie daher nicht nachvollziehen.

Doch es stimmt: Selbst 150 ungelesene Bücher bewahren mich nicht davor, gelegentlich nicht das richtige Buch im Regal stehen zu haben. Ein Kleiderschrank, der ausschließlich mit luftigen bunten Kleidchen gefüllt ist, wird mir bei Kälte und Regen ebenso wenig weiterhelfen wie ein deutschsprachiges Buch, wenn mir der Sinn eigentlich nach etwas Englischem steht. Der Vergleich ist selbstverständlich ziemlich schief. Aber vielleicht gibt er euch eine Vorstellung davon, weshalb selbst ein relativ großer Stapel ungelesener Bücher hin und wieder einfach nicht genug ist.

Ich frage mich oft, ob ich die einzige bin, die sich bei der Auswahl ihrer jeweils nächsten Lektüre so anstellt. Die Sprache ist schließlich nicht das einzige Kriterium, das ich auf meiner Suche nach dem „richtigen“ Buch anwende. Das Genre kann ebenso entscheidend sein. Ob ich einen Kriminalroman oder eine Dystopie in Händen halte, macht schließlich einen immensen Unterschied. Manchmal möchte ich aber auch einfach nur ein neues Buch von Autor XYZ lesen – was sich schwierig gestaltet, wenn ich sein Werk bereits in und auswendig kenne. Und so weiter und sofort.

Kann ich eine Eigenschaft, die mir gerade wichtig ist, nicht durch die bereits vorhandenen Bücher abdecken, wird (sofern es der Geldbeutel erlaubt) sofort Nachschub gekauft. Da kenne ich nichts. Ich habe es inzwischen aber auch ehrlich gesagt aufgeben, mich darüber aufzuregen, dass mein Stapel ungelesener Bücher wächst oder zumindest nicht kleiner wird. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass ich nichts davon habe, mir ein Buch aufzuzwingen. Das Buch kann ich danach zwar als „gelesen“ abhaken. Doch der Preis dafür ist für gewöhnlich hoch: Ich benötige für die Lektüre dieser Bücher unverhältnismäßig lange und kann mich im Anschluss meist nur an wenig erinnern – was auf Dauer auch kein Zustand ist.

Also lese ich mittlerweile einfach, wonach mir der Sinn steht. Und wieso auch nicht? Umgeben von Bloggern, die Monat für Monat Bestandsaufnahmen posten und SUB-Zunahmen rot markieren, kann man das zwar leicht vergessen. Doch Lesen sollte in erster Linie Spaß machen. Wenn das bedeutet, dass die Regale aus allen Nähten platzen, weil man sich regelmäßig neue Lektüre beschaffen muss, dann ist das eine Begleiterscheinung, die ich gerne in Kauf nehme.

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