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Einschlafbuch für Hochbegabte

Zählt ihr auch zu denen, die nachts lange wach liegen und, den Kopf voll Gedanken, auf den Schlaf warten?

Ja?

Dann ist das Einschlafbuch für Hochbegabte von Dietmar Bittrich vielleicht das richtige Buch für euch. Es wird euch nicht nur dabei helfen, die Zeit bis zum Einschlafen tot zu schlagen, sondernuch auch darüber hinweg trösten, dass es mit dem Einschlafen wieder einmal nicht klappen möchte. Denn: Eure Schlaflosigkeit könnte ein Hinweis darauf sein, dass ihr ein kleines Genie seid. Hochbegabte neigen nämlich tendenziell eher zu Insomnie als Normalsterbliche. Das behauptet zumindest der Autor  des Einschlafbuchs und verweist auf zahllose prominente Beispiele wie den Dalai Lama, Otto von Bismarck oder Charlie Chaplin.

Wie eure prominenten Leidensgenossen mit dieser Störung umgehen respektive umgegangen sind, erfahrt ihr dann auf den folgenden Seiten. Hier könnt ihr beispielsweise endlich nachlesen, welche bekannte Persönlichkeit ohne ihren Lieblingsteddy einfach nicht einschlafen konnte oder wer in seinem Schlafzimmer nachts die Spiegel verhängen ließ. Nicht dass man das wissen müsste. Aber es schadet auch nicht, die unterhaltsamen Anekdoten, die Bittrich mit seinen Lesern teilt, einfach mal gelesen zu haben. Den Smalltalk auf der nächsten Weihnachtsfeier könnt ihr damit allemal bestreiten und experimentierfreudige Einschlafgestörte können darüber hinaus ausprobieren, ob die Tricks der Berühmtheiten auch ihnen beim Einschlafen helfen. Vielleicht findet der ein oder andere auf diese Weise ja endlich die lang ersehnte Alternative zum Schäfchen zählen…

Viel mehr als das sollte man vom Einschlafbuch für Hochbegabte jedoch nicht erwarten. Mit seinen 128 Seiten ist es letztendlich bloß ein harmloser Spaß für Zwischendurch, der leider auch seine Schwächen hat. So geraten manche Fakten, die Bittrich an den Mann bringen möchte, viel zu kurz. Erläuterungen und Beschreibungen sucht man teils vergeblich. Stattdessen wird Anekdötchen an Anekdötchen gereiht und der Lesefluss dem Tempo geopfert. Atemlos galoppiert Bittrich von einer Information zu nächsten und hetzt den Leser Abschnitte lang vor sich her, bis er schließlich die letzte Seite erreicht. Angesichts der Thematik erwartet man hier ein Quellenverzeichnis. Doch weit gefehlt. Hier findet der geneigte Leser lediglich das Impressum. Wer es genauer wissen möchte oder die Informationen schlichtweg auf ihre Richtigkeit überprüfen will, ist – zumindest im Fall des E-Books – ganz auf sich allein gestellt und muss Google bemühen. Was ärgerlich ist! Denn gerade bei Geschichtchen wie denen, die Bittrich anführt, ist es nicht immer einfach, die richtigen Quellen zu finden. Die Studie, die einen Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und IQ nahelegen soll, konnte ich beispielsweise nicht auffinden.

Aber sei es drum; solange das Einschlafbuch lediglich unterhalten möchte, sind mangelnde Nachweise kein Drama. Wer Das Einschlafbuch für Hochbegabte zufällig zwischen die Finger bekommt, sollte sich auf jeden Fall nicht davon abschrecken lassen und einfach mal reinlesen. Es ist, wie bereits geschrieben, ganz nett und unterhaltsam. Ihr werdet es zwar ebenso schnell wieder vergessen, wie ihr es gelesen habt, aber als Pausenfüller zwischen zwei längeren Büchern wird es euch zumindest für den Moment der Lektüre nicht enttäuschen.

Dietmar Bittrich: Das Einschlafbuch für Hochbegabte. dtv, München 2011. 128 Seiten, Taschenbuch, 5,95€.

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