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Kühlfach 4

Sascha Lerchenberg, genannt Pascha, wird vom Pech verfolgt: Erst findet er eine Frauenleiche im Kofferraum des Mercedes SLR, den er für den Autoschieber Olli klauen soll, und dann wird er auch noch zwei Tage später von einer Brücke gestoßen. Einfach so und ohne Vorwarnung. Sein Körper stirbt bereits kurz nach dem Aufprall. Doch Pascha selbst ist irgendwie immer noch da. Unsichtbar für die Lebenden (und Toten) schwebt er über, gelegentlich auch neben dem Geschehen und versucht, während seine sterblichen Überreste in die Gerichtsmedizin gebracht werden, das Unbegreifliche zu verstehen: Er ist zu einem Geist geworden.

Aber natürlich kommt es für Sascha noch dicker: Denn als wäre sein Tod allein nicht bereits schlimm genug, glaubt die Polizei zu allem Überfluss auch noch, sein Sturz sei ein Unfall gewesen.  Dabei ist für Pascha ganz klar, dass es Mord gewesen sein muss. Schließlich hat er (trotz seines angeschlagenen prämortalen Zustands) genau gespürt, dass man ihn geschubst hat… Doch auf Grund seines neuen Lebens als Geist kann er das natürlich niemandem mitteilen. Das denkt Sascha zumindest – bis der Gerichtsmediziner Martin Gänsewein in sein Leben tritt und sich (mehr oder weniger freiwillig) gemeinsam mit Pascha auf die Suche nach dessen Mörder macht.

Die Ermittlungen verlaufen, so wie es sich für einen Roman dieser Sorte gehört, nicht gerade reibungslos. Mal streiten sich Geist und Partner, mal gibt es Ärger mit den Verdächtigen, die sich nicht ganz so kooperativ zeigen, wie man sich das gemeinhin wünscht. Kurzum: Es passiert nichts, was jemanden, der bereits zwei, drei Krimis gelesen hat, noch überraschen könnte – was in diesem Fall ziemlich übel ist. Denn als Krimi ist Jutta Profijts Kühlfach 4 eigentlich nicht zu gebrauchen. Abgesehen von Originalität mangelt es dem Roman nämlich noch an einer weiteren wichtigen Eigenschaft, die für einen guten Kriminalroman unabdingbar ist: Ihm fehlt es an Spannung. Das Puzzle, das in Krimis normalerweise nach und nach gelöst wird und dem Leser zum Mitraten animiert, fehlt in Kühlfach 4 nahezu vollständig. Allzu selten greifen Handlungselemente ineinander – und wenn sie es doch einmal tun, dann ist es, wie bereits geschrieben, kaum überraschend.

Die Frage, wer Pascha umgebracht hat, gerät zwischenzeitlich sogar zum Nebenschauplatz, da es der Autorin in erster Linie darum zu gehen scheint, Paschas großer Klappe eine Bühne zu bieten und ihn alberne Witzchen reißen zu lassen. Ob das ein kluger Schachzug ist, sei dahin gestellt. Wer Proleten mit Herz mag, wird mit Paschas Ergüssen bestimmt seine Freude haben. Alle anderen werden das Buch jedoch vermutlich früher oder später frustriert in die Ecke werfen. Saschas Beziehung zum überkorrekten Martin Gänsewein hat zwar ihren Reiz und fängt manche Schwäche auf. Doch wer mit einem Ich-Erzähler von Paschas Schlag seine Probleme hat, wird selbst über das ständige Katz-und-Maus-Spiel der beiden nur selten lachen können.

Alles in allem handelt es sich bei Kühlfach 4 um ein nettes Buch für Zwischendurch. Es bietet leichte Unterhaltung und ist – vor allem wegen des eher schwachen Plots – nichts, woran man sich morgen noch erinnern wird. Diejenigen, die Sascha und Martin im Laufe der 256 Seiten ins Herz geschlossen haben, haben die Möglichkeit, den beiden in den drei bislang erschienen Fortsetzungen noch einmal zu begegnen. Ich werde mich jedoch an dieser Stelle aus der Serie ausklinken und mich auf die Suche nach neuem Lesefutter machen.

Jutta Profijt: Kühlfach 4. dtv, München 2009. 256 Seiten, Taschenbuch, 9,95€.

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