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Eine Reihe betrüblicher Ereignisse

Zartbesaitete Leser sollten diesen Artikel lieber überspringen. Denn die Serie, die ich heute rezensieren werde, handelt von Tod, Täuschung und Gier und ist so unglücklich, dass sie euch nicht nur den Tag, sondern gleich das ganze Leben ruinieren kann. Wer Geschichten mit glücklichem Ende schätzt, tut daher gut daran, sich an den Rat aus dem Intro der Serie zu halten und wegzuschauen. Für euch gibt es hier nichts zu sehen. Alle anderen können in der folgenden Rezension erfahren, wie mir die erste Staffel der neuen Netflix-Serie Eine Reihe betrüblicher Ereignisse gefallen hat.

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse ist, wie ihr vielleicht wisst, eine Adaption der bekannten gleichnamigen Kinderbuchreihe von Lemony Snicket. Sie erzählt die Geschichte der drei Geschwister Violet, Klaus und Sunny Baudelaire, die bei einem schrecklichen Feuer ihre Eltern verlieren. Da die drei noch nicht volljährig sind, werden sie in die Obhut des mittellosen Schauspielers Graf Olaf (Neil Patrick Harris) gegeben. Zur Ruhe kommen die Geschwister dort jedoch nicht. Denn ihr neuer Vormund hat es auf das immense Familienvermögen der Baudelaires abgesehen, das die Kinder erben werden, sobald Violet volljährig ist. Um die Geschwister um ihr Erbe zu bringen, schreckt Graf Olaf vor keiner Schandtat zurück. Selbst nachdem ihm die Kinder wieder weggenommen worden sind, gibt er nicht auf und die namengebende Reihe betrüblicher Ereignisse nimmt ihren Lauf…

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse erfreut die Fans der Bücher

Fans der Buchreihe können sich freuen: Die Serie nimmt sich bei der Darstellung dieser Ereignisse nicht allzu viele Freiheiten und orientiert sich eng an der Vorlage. Die Handlung der ersten vier Bücher wird beinahe minutiös nacherzählt. Nur gelegentlich wird der Dramaturgie zuliebe etwas vorgegriffen, was der Serie jedoch keinesfalls schadet.

 

Ein weiteres Plus: Da auf jedes Buch zwei Episoden entfallen, werden auch winzigste Details, die in Adaptionen sonst unter den Tisch fallen, wie beispielsweise Sunnys Gibberisch oder die urigen Definition von Fremdwörtern nicht ausgespart. Sogar für den Erzähler Lemony Snicket (Patrick Warburton) ist dadurch Platz. Mehrmals pro Folge durchbricht Snicket die vierte Wand und richtet das Wort direkt an den Zuschauer. Er kommentiert mit ernster bedeutungsschwerer Miene für den Zuschauer das Geschehen und führt durch die Handlung. Vor allem gibt er jedoch den Erzählton der Serie an und trägt so wesentlich dazu bei, dass Eine Reihe betrüblicher Ereignisse sich auch anfühlt wie, nun ja, Eine Reihe betrüblicher Ereignisse.

Die Serie macht vieles nicht richtig, aber längst nicht alles.

Die Freude über die vorlagentreue und detailverliebte Umsetzung wird jedoch von zwei Problemen getrübt. Das eine ist die schauspielerische Leistung der Kinder. Während die erwachsenen Darsteller (und allen voran Patrick Warburton) abliefern, wirkt das Spiel von Malina Weissman und Louis Hynes, die Violet und Klaus verkörpern, hölzern und eindimensional. Ich erwarte zwar nicht, dass Kinderdarsteller ihr „Handwerk“ genauso gut beherrschen wie ihre erfahreneren Kollegen. Aber mehr als zwei Gesichtsausdrücke fände ich dann doch ganz nett. Insbesondere weil die Serie im Gegensatz zum Film den Fokus auf die drei Baudelaire-Geschwister legen möchte.

 

Das andere Probleme der Serie sind die eingesetzten CGI Effekte. Solange sie nur dazu verwendet werden, um die Filmkulisse in eine Puppenhauslandschaft aus einem Wes-Anderson-Film zu verwandeln, funktionieren sie wunderbar. Darüber hinaus wirken die Effekte jedoch oft billig und – was noch viel schlimmer ist – unfreiwillig komisch. Zwei Szenen sind mir in dieser Hinsicht besonders im Gedächtnis geblieben: das in den See stürzende Haus in Episode 6 und die durch die Luft geworfene Sunny in der letzten Folge. Beide Male war ich von der hundsmiserablen Qualität der CGI-Effekte so erschüttert, dass ich darüber die Serie vergaß. Ich will nicht ausschließen, dass sich die Verantwortlichen bewusst für diese Optik entschieden haben. Für mich funktioniert sie nur leider nicht; sie stören meines Erachtens die Atmosphäre und verwandeln die Serie für kurze Zeit in eine alberne billige Komödie.

Das Fazit

Die meiste Zeit über hatte ich jedoch viel Spaß mit der Serie. Nachdem die Hollywood-Verfilmung mit Jim Carrey floppte, ist Netflix‘ Eine Reihe betrüblicher Ereignisse ein gelungener Neustart für das Franchise. Die detailverliebte Adaption der düsteren Kinderbuchreihe kann ich vor allem Fans der Serie ans Herz legen. Aber auch alle anderen, die auf verschrobene Geschichten stehen, werden ihre Freude an dieser neuen Netflix-Produktion haben.

 

Die erste Staffel der Serie Eine Reihe betrüblicher Ereignisse erschien am 13. Januar 2017 auf Netflix. Zwei weitere Staffeln sind in Planung.

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